Ein Vollkornbrot für Frau Merkel, bitte

Zu den Kunden der Berliner Bäckerei Frank Plötner gehört auch das Bundeskanzleramt/Breit aufgestelltes, gut kalkulierbares Liefergeschäft

Einen Teil seiner Kundschaft sieht Frank Plötner genau einmal im Jahr. Dann aber ist die Freude auf beiden Seiten groß. Das Wiedersehen mit diesen über die gesamte Republik verstreuten Kunden wird immer auf der Internationalen Grünen Woche gefeiert – mit Plötners preisgekröntem Käsekuchen. Der hat inzwischen Kultstatus bei Fans in ganz Deutschland. Vor der Bühne seines Kooperationspartners „radioBERLIN 88,8“ betreibt der Bäckermeister aus dem Berliner Bezirk Lichtenberg seit 4 Jahren ein Messe-Café mit mehr als 100 Plätzen.

Der Ansturm auf die Käsetorte des 1919 gegründeten Familienbetriebs, den Frank Plötner in der dritten Generation führt, begann im Jahr 2010. Damals konnte der 53-Jährige den 4. Käsekuchen-Wettbewerb der Berliner Konditoren-Innung für sich entscheiden – und fortan mit der Auszeichnung „Der Käsekuchen-König von Berlin-Brandenburg“ werben. 2012 stand Plötner erneut auf dem Siegertreppchen: Dieses Mal kürte die Jury seine Eierschecke als beste von Berlin und Brandenburg.

Zum Bäckerhandwerk fand Frank Plötner auf Umwegen. 1974, als die Frage nach der Berufswahl anstand, riet im sein Vater: „Junge, werde nicht Bäcker.“ Hintergrund dieser auf den ersten Blick ungewöhnlichen Empfehlung waren Pläne der DDR-Regierung, die selbstständigen Bäckereien in staatliche Betriebe zu überführen. Sieben Jahre später – Plötner hatte inzwischen eine Ausbildung zum Elektromonteur sowie ein Studium als Elektroingenieur abgeschlossen – trug man dieses Experiment in aller Stille zu Grabe. „Die Regierung musste einsehen, dass die Versorgung der Bevölkerung ohne das Engagement der privaten Bäcker nicht funktioniert hätte“, erklärt Plötner.

Das missglückte Vorhaben der Administration spornte Frank Plötner, der seiner Tätigkeit als Ingenieur in einem „VEB“-Betrieb ohnehin nicht viel abgewinnen konnte, an: 1983 trat er in die elterliche Bäckerei ein und absolvierte eine Lehre. Drei Jahre darauf übernahm er das Ruder, und 1987 legte er die Meisterprüfung ab. Das war die richtige Entscheidung: „Der Beruf macht mir nach wie vor Spaß.“ Plötners Bäckerei beschäftigt inzwischen 39 Mitarbeiter und betreibt jeweils zwei stationäre und mobile Filialen.

Den größten Teil des Umsatzes erwirtschaftet man in Lichtenberg jedoch mit einem weiträumigen Lieferservice für (Catering-)Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Berlin und Brandenburg. Prominentester Kunde ist das Bundeskanzleramt – Angela Merkel bevorzugt Plötners „ganz normales“ Vollkornbrot. Hoch im Kurs stehen die Backwaren zudem in den Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt sowie bei den Mitarbeitern des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung.

Einen guten Namen hat sich der Handwerksbetrieb auch bei den Studierenden in Berlin und Potsdam gemacht: In den Mensen und Cafeterien werden Brot, Brötchen und Kuchen aus der Josef-Orlopp-Straße serviert. „Im Vergleich zum rückläufigen Filialgeschäft ist unser breit aufgestellter Lieferservice ist ein gut kalkulierbares, beständiges Geschäft“, sagt Frank Plötner.

Eine verlässliche kalkulatorische Größe ist überdies ein Café mit Partyservice, das Plötners Tochter Katja seit 2008 am Lichtenberger Anton-Saefkow-Platz mit großem Erfolg betreibt. Zwei Häuser weiter fällt erneut die Marke Plötner ins Auge: In der 2011 eröffneten „Destille“, die Plötner und sein Schwiegersohn Sascha Rietz gemeinsam führen, werden nicht nur ausgefallene Bierkompositionen, exquisite Weine und natürlich Backwaren aus eigener Herstellung kredenzt. Denn über die kulinarischen Angebote hinaus hat sich das Lokal mit zahlreichen Events etabliert – vom Oktoberfest über die Country Night bis zur Halloween-Party.

Nicht nur die vierte Generation des Familienbetriebs zeigt, dass ihr gute Produkte und ein ausgeprägter Service am Herzen liegen. Denn auch die zweite Generation denkt noch lange nicht ans Aufhören: Frank Plötners Mutter Helga steht nach wie vor hinter der Theke am Stammsitz in der Josef-Orlopp-Straße. Die Senior-Chefin, eine stets freundlich lächelnde Dame mit funkelnden Augen, ist 82 Jahre alt und kann sich einen Lebensabend ohne Arbeit nicht vorstellen.

Bis zu seinem eigenen Ruhestand hat Frank Plötner noch viel vor. Zum Beispiel eine „Lange Nacht des Backens“ im Frühjahr 2015. Dabei werden sich (potenzielle) Kunden unter anderem davon überzeugen können, dass die Bäckerei sich unverändert der handwerklichen Tradition verpflichtet fühlt und nicht mit Rohlingen arbeitet, die zweimal den Äquator überquert haben. Richtig spannend wird der geplante ständige Kontakt zu jenem Teil der Kundschaft werden, die Plötner bisher genau einmal im Jahr sieht: Ein Online-Shop soll künftig dafür sorgen, dass die deutschlandweit verstreuten Fans des preisgekrönten Käsekuchens nicht jedes Mal entbehrungsreiche 12 Monate auf die Köstlichkeit aus Berlin warten müssen.

Veröffentlicht in: Allgemeine BäckerZeitung

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